Das kulturelle Gedächtnis der österreichischen Bundesländer im Internet

Die recherchierbaren Kataloge

Die kulturelle und politische Identität
Retrospektive EDV-Erfassung
Der virtuelle Katalog im Internet
Neue Suchmöglichkeiten
Einfache Reservierung per eMail
Ein Internet-Portal für regionale Bibliotheken
Die beteiligten Bibliotheken


Drei österreichische Landesbibliotheken (Wien, Niederösterreich, Steiermark) sowie die Landesbibliothek "Friedrich Tessmann" in Südtirol haben gemeinsam ein Projekt verwirklicht, das für die Bibliotheksbenützer entscheidende Verbesserungen mit sich bringt. Bisher konnten die Bestände nur lokal, bzw. auf verteilten und manchmal für den, der kein äglicher Internet-Kunde ist, nicht leichtauffindbaren Internetseiten gesucht werden. Ab Januar 1999 sind die Sammlungen nun über einen virtuellen gemeinsamen Internet-Katalog rund um die Uhr erreichbar.

Die kulturelle und politische Identität
Die österreichischen und Südtiroler Landesbehörden erwerben und bewahren seit Jahrhunderten das kulturelle und politische Erbe ihrer jeweiligen Region. In den Katalogen dieser Bibliotheken ist eine Fülle von einmaligen Dokumenten erschlossen, die für die kulturelle und politische Identität der Länder und damit Österreichs von entscheidender Bedeutung sind: Die Landesbibliotheken sammeln nicht nur Bücher, sondern auch eine enorme Vielfalt an unterschiedlichen Zeugnissen - wie etwa die Handschriften- und Plakatsammlungen der Wiener und Steiermärkischen Landesbibliothek, die Musiksammlung der Wiener Stadt- und Landesbibliothek oder die topographische Sammlung der Niederösterreichischen Landesbibliothek. Das Pilotprojekt startet mit den Druckschriftenkatalogen der beteiligten Bibliotheken (Bücher und Zeitschriften), dem Katalog der Flugschriften zur Revolution 1848 der Wiener Stadt- und Landesbibliothek und dem Katalog der Topographischen Sammlung der Niederösterreichischen Landesbibliothek. Weitere Kataloge sind in Vorbereitung. Abgefragt werden können rund 600.000 Titel aus den traditionellen Sammelgebieten der Landesbibliotheken, wie Landeskunde, Geschichte und Politik, dem weiten Bereich der Kunst- und Kulturgeschichte in allen sparten, aber auch Juridica, Statistiken, Veröffentlichungen zur Stadt- und Raumplanung usw.

Retrospektive EDV-Erfassung
Die Bibliothekskataloge der Landesbibliotheken wurden bereits vor Jahren auf EDV umgestellt. Wie bei jeder Umstellung auf EDV führte dies zunächst zu einer Teilung der Bestände in zwei Kataloge: Neuwerbungen konnten bequem über EDV bzw. auch im Internet gesucht, die einmaligen historischen Bestände hingegen mußten im traditionellen Zettelkatalog lokal in der jeweiligen Bibliothek recherchiert werden. Die Landesbibliotheken unternahmen daher bereits seit längerer Zeit große Anstrengungen, um auch die historischen Zettelkataloge mit ihren hunderttausenden Einträgen in ihre EDV-Systeme zu übernehmen. Der Bestand etwa der Niederösterreichischen Landesbibliothek ist inzwischen zur Gänze über EDV recherchierbar, jener der Wiener Stadt- und Landesbibliothek derzeit zu etwa 60 Prozent. Positiv bei diesen Projekten war u.a. auch der Einsatz von behinderten Mitarbeitern bei der Titelerfassung.

Der virtuelle Katalog der Landesbibliotheken im Internet
Neue Techniken im Bereich der Vernetzung von multimedialen Datenbanken, entwickelt vom Softwarehaus DABIS Österreich, ermöglichen es, die Recherche über Internet nicht nur in einem einzelnen Bibliothekskatalog anzubieten, sondern einen virtuellen Katalog mehrerer Bibliotheken zu organisieren - ohne einen physisch gemeinsamen Datenpool aufbauen zu müssen. In diesem virtuellen Katalog lassen sich mehrere physisch getrennte Bestände in einem einzigen Arbeitsgang abfragen und auswerten.
Anders als bei konventionellen Verbünden, wie etwa dem Katalogverbund der österreichischen Bundesbibliotheken, wurde der Katalog ohne den sonst notwendigen administrativen, technischen und rechtlichen Aufwand realisiert, mit differenzierten und vielfältigen Suchmöglichkeiten wie in sonst keinem anderen österreichischen Internetkatalog.

Neue Suchmöglichkeiten
Für den Benützer ergeben sich aus diesem Zusammenschluß eine Reihe neuer Suchmöglichkeiten. Eine Recherche ist im virtuellen Katalog der Landesbibliotheken nicht nur in den Titeldateien, sondern auch in weiteren Dateien möglich, etwa in den Autorendateien, den Schlagwortdateien, den Körperschaftsdateien und den Ortsdateien. Innerhalb der Titeldatei sind eine Reihe von Abfragen möglich, etwa Titelstichwort (links und rechts trunkierbar), Autor, Körperschaft, Verlagsort, Verlag, Erscheinunsjahr, Schlagwort, lokale Erschließungen der einzelnen Bibliotheken wie Notationen und Themenkreise und eine Reihe weiterer sehr spezialisierter Suchmöglichkeiten. Die Abfrage über die Verlagsorte berücksichtigt dabei auch alle Verweisformen, sofern sie in den Ortsdateien erfaßt worden sind. Über die Titeldateien hinaus stehen auch die diversen Erschließungsdateien für die Recherche offen. Um zu wissen, welche Verweisformen, etwa von Orten oder Autoren mit erfaßt werden, kann die Orts- und Autorendatei direkt durchsucht werden. Bei großen Ergebnislisten wird die präzise Suche nach Werken eines Autors, der zuvor aus der Autorendatei herausgefiltert worden ist und mit einem Zeitraum verknüft werden kann, sicher eine Erleichterung bringen. Auch die Abklärung des Erschließungswortschatzes in den Schlagwortdateien kann von Vorteil sein. Ein Überblick über die verwendeten Schlagwörter ermöglicht dann die präzise Suche nach den mit genau dem gesuchten Schlagwort verknüpften Titeln.

Einfache Reservierung per e-mail
Eine weitere Verbesserung für den Benützer bringt die in den Katalog integrierte Reservierung von Büchern per e-mail, die allerdings noch je nach Bibliothek unterschiedlich gehandhabt wird. Für Steiermark und Südtirol ist keine e-mail Reservierung möglich. In Niederösterreich und der Steiermark kann sowohl die Reservierung als auch die Bestellung für die Entlehnung per e-mail abgewickelt werden, sofern man einen Leseausweis der Bibliothek besitzt. Die Wiener Stadt- und Landesbibliothek ist eine Präsenzbibliothek, e-mail kann daher nur für die Reservierung verwendet werden. Vorsicht ist bei Verwendung von e-mail allerdings geboten, da manche Mails, abhängig von den unkontrollierbaren Zuständen im Internet, bis zu einem Tag benötigen können, um an den Adressaten geliefert zu werden. Beim nächtlichen Surfen eine Reservierung vornehmen und am nächsten Tag um 9 Uhr in der Bibliothek auf das Buch zu hoffen, das kann funktionieren, kann aber auch zu Mißstimmungen auf beiden Seiten führen, wenn die Reservierung noch nicht eingelangt ist.

Ein Internet-Portal für regionale Bibliotheken
Die Landesbibliotheken von Wien, Niederösterreich, der Steiermark und Südtirol beschlossen vor diesem Hintergrund, das Projekt von Anfang offen zu halten und den Aufbau eines "Internet-Portals" für regionale und überegionale Bibliotheken zu forcieren, das den Bibliotheken, vor allem aber dem Bibiotheksbenützer Vorteile bringt. Die Internetlandschaft, die auch im Bereich der Bibliothekskatalog komplex ist, wird damit einfacher und übersichtlicher.
In diesem Sinne sind auch Links auf die WWW-Kataloge der Vorarlberger Landesbibliothek und der Burgenländischen Landesbibliothek integriert worden. Diese Bibliotheken verwenden andere EDV-Systeme, weshalb sie noch nicht in die gemeinsame Abfrage integriert werden konnten, ein virtueller Katalog aller Landesbibliotheken - auch im altösterreichsichen Raum - und weiterer regionaler Bibliotheken wie etwa von Stiftsbibliotheken ist aber nach wie vor die Zielsetzung.


Die beteiligten Bibliotheken


Die Wiener Stadt- und Landesbibliothek Die Wiener Stadt- und Landesbibliothek
Die Niederösterreichische Landesbibliothek Die Niederösterreichische Landesbibliothek
Die Steiermärkische Landesbibliothek Die Steiermärkische Landesbibliothek
Die Südtiroler Landesbibliothek Landesbibliothek "Friedrich Tessmann" (Südtiroler Landesbibliothek)
Die Vorarlberger Landesbibliothek Die Vorarlberger Landesbibliothek
Die Burgenländische Landesbibliothek Die Burgenländische Landesbibliothek


Ansprechpartner für diese Seite: ren@m09.magwien.gv.at [ren/28-jan-1999]
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